8. März 2010 | 59 Kommentare



Lieber Franz Josef …

Offener Brief an Franz Josef Wagner - Kolumnist bei der Bild Zeitung

Einen interessanten Brief hat uns Pokerspieler, F.J. Wagner via Bild Zeitung zukommen lassen...

Hier der Originaltext von Franz Josef Wagner am 8.3.2010 :

Liebe Poker-Freunde,

immer gehört mein Mitgefühl den Opfern. Aber ihr mit Eurem Pokerface, Euren emotionslosen Echsen-Gesichtern macht es mir schwer. Meist versteckt Ihr auch noch Eure Augen hinter Sonnenbrillen, weil Augen Gier, Niedergeschlagenheit, Hoffnung, Bluff verraten. Euer Spiel ist, dem anderen sein Geld abzunehmen. Mitleidlos, kalt. Mit allen Tricks der Coolness.

Vier mit Revolvern und Macheten bewaffnete Verbrecher haben Euch in Berlin überfallen, mit mindestens 200 000 Euro sind sie entkommen. Bei jeder Oma, der die Handtasche entrissen wird, habe ich Mitgefühl.

Bei Euch nicht.

Ihr tragt dunkle Sonnenbrillen. Ihr seid nicht klar, Euer Spiel ist, dem anderen sein Gesicht nicht zu zeigen.

Es ist so bizarr. In Berlin lebt jeder Siebte von Sozialhilfe, im „Hyatt Hotel“ spielen Pokerspieler um eine Million, vermummte Gangster stehlen sich das Preisgeld.

Das ist unsere Hauptstadt. Vor dem „Hyatt Hotel“, dem Ort des Verbrechens, stehen Bettler. „Einen Cent“, sagen sie, „eine Zigarette“.

Im Luxushotel wird nach drei Stunden Panik weiter gepokert.

Ist dies unsere Welt?

Herzlichst

Ihr F. J. Wagner


Lieber Franz Josef,

Millionen von Menschen spielen in Deutschland Poker, einige mit Sonnenbrille, einige gar mit Echsen-Gesichtern. Es gibt Menschen die um Spielgeld Pokern, oder um 2€, manche gar um mehrere Tausend Euro. Ich spiele seit knapp vier Jahren Poker, ich habe nette, kluge, dumme, gierige und großzügige Pokerspieler kennengelernt. Eine solche Verallgemeinerung wie sie Dir in wenigen Sätzen gelingt, würde ich mir für eine so große und vielschichtige Gruppe von Menschen mit verschiedensten sozialen und ethnischen Hintergründen nie zutrauen. Dafür gebührt Dir alle Achtung - du BILDest Dir Deine Meinung wirklich präzise und unter Beachtung Deiner journalistischen Sorgfaltspflicht. Wie gesagt - mir ist das selbst nach 4 Jahren Poker nicht ansatzweise möglich.

Ein Pokerturnier ist ein Wettbewerb, er funktioniert im K.O. System. 10% der Spieler, die noch im Turnier sind, erhalten ein Preisgeld. Wer ausscheidet,  ist enttäuscht, wer gewinnt, ist euphorisch. Es wird geblufft und es werden Fehler gemacht. Ist ein Basketballspieler,  der einen Wurf antäuscht, um dann an seinem Gegner vorbeizuziehen,  ein schlechter Mensch ? Oder der Torwart,  der beim Elfmeter etwas mehr nach links als nach rechts hüpft ?

Richtig, wir Pokerspieler haben im Hyatt um Millionen gespielt - mehrere Tausend Spieler waren in Berlin, haben Hotelzimmer gebucht und Geld ausgegeben. Das ist gut für das arme Berlin, in dem jeder Siebte von Sozialhilfe lebt. Übrigens, ein paar Meter vom Hyatt entfernt wurden zuvor Schauspieler und Filme gefeiert, die Millionen kosten - einige hundert Meter weiter werden Tag für Tag Millionen an Steuergeldern teilweise auf recht fragwürdige Art investiert. Die Millionen, um die die Spieler spielten, wurden zuvor von ihrem eigenen Geld eingezahlt. Und genau diese Spieler sind auch bereit zu geben - zum Beispiel mit der Aktion allin4kids.de. Oder mit den $1.492.780, die die Spieler für Haiti gespendet und dafür einen Dankesbrief vom Roten Kreuz erhalten haben.

Poker ist vieles, lieber Franz Josef, nur emotionslos - das ist es sicher nicht. Wenn es so wäre, wie Du sagst,  hättest Du schon ein halbes Pokerface. Zwar noch zu viel Emotion, aber dafür schon recht echsenartig ;)

Dein Benjamin Kang



 

59 responses to “Lieber Franz Josef …” RSS icon

  • Lieber, provozierender “Herr” Wagner,
    gerne habe ich ihre Zeilen verschlungen. Sie törichter Idiot!
    Kein Pokerspieler der auf diesem Event war, hat/hätte Mitgefühl eingefordert. Schon gar nicht von ihnen. War es nicht auch die Bildzeitung die mit umsatzbringender Schlagzeile und einer “unglaublich dramatischen” Aufmachung von diesem Szenario berichtet hat?
    Wenn ich mir ihre weiteren “Beiträge” so durchlese, muss ich feststellen, dass sie lediglich provozieren können ohne auch nur die Eier (JA EIER!!!) zu haben um sich eventuellen Argumenten, die klar gegen ihre Aussagen sprechen, zu stellen.
    Und wo wir gerade bei Bild waren…. IHR BILD passt blendend zu den Zeilen die Sie geschrieben haben
    — halb Mensch halb Echse–
    Armer verbal halbstarker Lurch!

    Ps.

    Von meinem nächsten Geld, welches ich beim Pokern erwirtschaften werde, werde ich ihnen ein paar Euro spenden, in der Hoffnung dass sie sich dann besseres Zeug leisten können, welches vielleicht nicht ganz so dämlich macht.

    Mit besten Grüssen aus München

    Hot debate. What do you think? Thumb up 8 Thumb down 8

  • Bereits Samstag Abend schrieb ich folgende Mail zu seiner Kolumne:

    “Lieber Poker-Feind,

    Es ist traurig, dass es in Berlin so viele Menschen von Sozialhilfe leben müssen. Doch auch diesen Menschen blieb der Zugang zu eben diesem Poker-Turnier nicht verwehrt. Ich hätte es überaus spannend gefunden, wenn ein engagierter Journalist wie Du einen der Hartz4-Empfänger vor Ort interviewt hättest. Er hätte Dir mit Sicherheit gerne von seinem Weg der Qualifikation zum Turnier und seinen Träumen und Wünschen berichtet.
    Was macht Pokerspieler zu einer Minderheit, die Du derart verachtest? Weil Sie berechnend vorgehen? Weil Sie mit jedem ihrer Spielzüge versuchen dem Gegner überlegen zu sein?
    Es wäre schade, wenn Du Schachspieler gleichenfalls verachtest. Keine der beiden Sportarten verdient es derart geringschätzt zu werden ohne sich vorher umfassend zu informieren.

    Im Übrigen hast Du Recht mit Deiner Grundaussage. Uns Pokespielern gebührt kein Mitleid wegen des gestohlenen Geldes. Wenn dann gebührt es den Versicherungen, die für einen solchen Fall einspringen müssen.

    Ich danke Dir für Dein Interesse an unserem Sport.

    Es grüßt,
    PlauZee – ein Poker-Freund.”

    Well-loved. Like or Dislike: Thumb up 14 Thumb down 2

  • Lieber Herr Wagner,

    ich habe gestern erst Ihren „Brief“ gelesen und möchte Ihnen einmal schildern, wie für mich die letzten Tage waren:

    Am Samstag geriet ich völlig unvorbereitet in eine Situation, die sich seitdem in meinem Kopf immer und immer wieder abspielt. Die vielen Medienveröffentlichungen haben mir im Nachhinein gezeigt, dass ich nicht wirklich in Gefahr war – Bei dem Überfall ging es nur um „ein bisschen Geld“.
    In diesem Moment jedoch wusste ich das nicht und ich sah nur die Brutalität und Aggression, die direkt vor meinen Augen völlig plötzlich stattfand. Ich bin noch recht jung und noch nicht so abgebrüht, dass ich das einfach wegstecke. Das ganze hat mich sehr mitgenommen.

    Sie schreiben dazu also mal eben Ihre Kolumne und bekennen eine öffentliche Gutheißung dieser Straftat und der Brutalität, eingesetzt von einzelnen, um an fremdes Geld zu kommen. Als Gutheißung empfinde ich das, mindestens aber haben Sie die Tat als „von der Sache her ok“ befunden.

    Dafür erwarte ich eine öffentliche Entschuldigung!

    Mir hat mal jemand gesagt, dass, wenn man etwas schreibt, man eine große Verantwortung dafür hat, was man in dem Leser damit auslöst. Ihr Text hat in mir das Gefühl der blanken Ungerechtigkeit und Wut ausgelöst.

    Wissen Sie, wenn man gerade erlebt, wie Unrecht einfach so passieren kann, und kein Rechtsstaat oder irgendwer einen davor schützen kann, in Gefahr zu geraten, dann ist das Vertrauen auf das Recht zunächst etwas angeknackst.

    Bei Ihrem Artikel frage ich mich, ob mein gelerntes Rechtsverständnis überhaupt noch etwas wiegt, wenn in öffentlichen Medien die Zeugen einer beängstigenden Straftat hinterher angeprangert und verbal mit Steinen beworfen werden. Es macht mir Angst, zuzusehen,
    wie Menschen, die nicht Recht von Unrecht unterscheiden können, ihre verdrehte Meinung so öffentlich äußern dürfen, ohne Konsequenzen – gefährlich!

    Zu Ihrer Meinung gegenüber „den Pokerspielern“: Ich dachte, die Zeiten, in denen Menschengruppen als weniger wert als andere befunden werden, seien vorbei!!
    Ihre Aussage widerspricht komplett dem Grundgesetz, bei einem Verbrechen Unterschiede in der Bewertung der Schwere, je nach Zugehörigkeit der Opfer zu machen.

    Wenn ein Haus angesteckt wird, machen Sie dann Unterschiede, je nach Alters-, Sozial-, ethnischen oder sonstigen –schichten?
    Warum eine Entschuldigung ihrerseits also unabdingbar ist, sollte klar sein.

    Eines interessiert mich auch: Wie stehen Sie zu der Gruppe älterer Damen, die mit ihrer Witwen-Rente gern zocken gehen. Davon gibt es viele – reizende und wohlhabende Omis, die Spaß in Casinos haben, anstatt wohltätiges zu tun. Hätten diese Damen dann auch nicht Ihr großzügiges Mitleid verdient, wenn man ihnen die Handtasche raubt?! Wo hören Ihre Schubladen auf?

    Zu dem Konkreten Fall der Pokerturnier-Teilnehmer möchte ich Sie auf ein paar ebenso konkrete Beispiele meiner Eindrücke hinweisen:

    Unter den Teilnehmern befanden sich auch Menschen, die körperlich von Schicksalen gezeichnet waren – ich weiss nicht, wer bei dem Geschehen anwesend war, aber ich versetzte mich danach auch einmal in die Menschen hinein, die nicht einfach auf ihren Beinen davonlaufen können, wenn Gefahr droht. Ich kann mir dieses Gefühl nur vage vorstellen – ob Sie das können, bezweifle ich!

    Und all diese Menschen waren dort, um sich womöglich einen Traum zu erfüllen.
    Beim Pokern ist es egal, ob man auf seinen Beinen gehen kann, einen perfekten Körper besitzt, oder als Frau auch bereits jenseits der 30 ist. Man muss nicht erst Perfektion vorweisen können, um den Traum vom Pokern leben zu können. Vielleicht ist gerade das, in einer Welt des Strebens nach Makellosigkeit, ein Sport, der Menschen das Gefühl gibt, auch ein Gewinner sein zu können. Und ich glaube, das ist die wahre Magie des Pokerns. Manchmal reicht einfach nur ein bisschen Glück – und wer das Glück mit etwas Köpfchen geschickt zum Erfolg machen kann, gewinnt. Es geht hier nicht um das reine Perfektionieren von Abläufen, wie beim Schwimmen oder in der Formel1 – der Zufall macht das Pokerspiel unvorhersehbar und mischt die Karten immer wieder neu. So hat auch immer wieder jeder eine Chance.

    Das Ziel, zu gewinnen, jedoch eint alle Pokerspieler, wie bei jedem Sport. Sie können herablassend sagen „es gehe nur ums Geld“ – doch vielmehr ist es die Erfüllung von ganz persönlichen Wünschen und Träumen, die jeder für sich mit dem Gewinn verbindet. Wer hat sich nicht schon die berühmte Frage gestellt „was würdest du mit 1 Mio. € machen?“ Und jeder hat seine ganz individuelle Antwort darauf. Das Pokern lebt von diesen Träumen – und von der Chance, dass man sein Schicksal im Spiel selbst beeinflussen kann und trotz Glück und Pech mit Geschick vorankommen kann. Das ist dem Leben an sich sehr ähnlich, finde ich.

    Wenn Sie das nicht verstehen können, ist das ok. Ich finde aber Ihre Einstellung höchst gefährlich und kann nur hoffen, dass sich nicht allzu viele Menschen mit kriminellen Energien durch die öffentliche Gutheißung dieser Tat ermutigt und bestätigt fühlen.

    Trotz allem positiv und mit den Worten eines weisen Mannes abschließend: …you may say, I`m a dreamer, but I`m not the only one…

    Well-loved. Like or Dislike: Thumb up 40 Thumb down 3

  • schön gesagt isa ;-) seh ich genau so.
    der franzl hat überhaupt keine ahnung was es uns bedeutet poker spielen zu dürfen und können. einfach nur ein idiot!!!

    Hot debate. What do you think? Thumb up 3 Thumb down 7

  • Isa,

    mir fehlen die Worte!

    Grandios!

    Hot debate. What do you think? Thumb up 5 Thumb down 8

  • mit dem unterschied, das die leute alle freiwillig poker spielen und den anderen “das geld aus der tasche ziehen”
    MIT MEILEN WEITEM ABSTAND DER SCHLEEEEEECCCHTESTE UND UNFORMATIVSTE BERICHT DEN ICH JEMALS ÜBER IRGENDWAS GELESEN HABE , kein wunder,hat ja auch mit bildzeitung tun super weiter so.
    ich bete und hoffe das sie selber ;
    ich zitiere ;
    Das ist unsere Hauptstadt. Vor dem „Hyatt Hotel“, dem Ort des Verbrechens, stehen Bettler. „Einen Cent“, sagen sie, „eine Zigarette“.

    so enden werden,wenn die welt auch nur ein fünkchen so ist wie sie die darstellen,dann wird es nicht mehr lange dauern,
    ich bete dafür,
    gruß

    Hot debate. What do you think? Thumb up 1 Thumb down 12

  • Hallo Herr Wagner (Loren

    Sie werfen den Pokerspielern vor nicht das wahre Gesicht zeigen zu wollen,dabei machen Sie es doch nicht anders,aber klar sollte Wagner mal ins Fettnäpfchen treten dann kann Lozenz ja nichts dafür.
    Und noch eins so wie Sie die Poker spielenden Menschen einordnen,nach dem Motte”die taugen eh nicht viel” ist das ziemlich Menschen verachtend.
    Gott sei dank sind die Zeiten vorrüber wo Menschen,die so wie von Ihnen als Minderwertig eingestuft wurden,dann nicht mehr lange zu leben hatten.
    Mit diesem Bericht haben Sie sich ganz deutlich disqualifiziert in der Öffentlichkeit als Ratgeber oder Moral Apostel aufzutreten.
    Bild sollte Sie umgehend in Urlaub schicken und zwar für die nächsten 50 Jahre

    B.Hübner

    Like or Dislike: Thumb up 2 Thumb down 0

  • Fand die Replik von Ben auch super.

    Man sollte halt bedenken, dass der Wagner sich da jeden Tag irgendeinen Rotz einfalen lassen muss und das Ganze dementsprechend nicht so wichtig nehmen. Er schreibt eben viel wenn der Tag lang ist – und viel Scheisse.

    Vor allem diese Pseudo-Mitfühl-Scheisse mit den Bettlern fand ich persönlich so widerlich anbiedernd plus abstoßend plus total unglaubwürdig. Hab mich dann leider auch tierisch aufgeregt.

    Schon Wikipedia schreibt:

    “Wagner geht in seinen Texten aggressiv gegen ihm missliebige Personen und Gruppen vor und wird im Gegenzug stark kritisiert und zum Teil auch verspottet.

    In seinen Beiträgen versucht er sich als „Sprecher“ des Kleinbürgertums. Verbale Angriffe gegen Homosexuelle, Atheisten, Ausländer, emanzipierte Frauen, Liberale, Sozialdemokraten und ihm unliebsame Prominente bringen ihm oft den Vorwurf des Populismus ein.”

    Das sagt eig. alles.

    Well-loved. Like or Dislike: Thumb up 6 Thumb down 0

  • Das ist ja nur noch lächerlich von der Bild

    Like or Dislike: Thumb up 1 Thumb down 0


Einen Kommentar schreiben